Cornelia Lösch

Kontakt© Cornelia LöschLetztes Update: November 2020

Frühling-Sestine

Cornelia Lösch

Und wieder flattert Goethes blaues Band
durch Blütenduft erfüllte laue Luft.
Ein Frosch genießt der frühen Sonne Schein
und Vögel suchen Zweige für ihr Nest.
Ich pflück Narzissen, glöckchengleich im Licht.
Sie läuten dottergelb den Frühling ein.
Das ist die Zeit des großen Stelldichein.
Da wird geknüpft so manches feste Band.
Das junge Volk genießt der Liebe Licht
Sogar die Alten schnuppern Morgenluft.
In mir ein Bild von Liebeslust im Nest,
von heißen Küssen in des Mondes Schein.
Und doch ist es ein trügerischer Schein
denn manchmal bricht der Winter nochmals ein.
Ich sitz allein in meinem warmen Nest,
derweil im Eis erstarrt des Froschlaichs Band.
Mit Schneegestöber ist erfüllt die Luft
und dunkle Wolken nehmen mir das Licht.
Das geht vorbei. Schon gleich am Morgen Licht.
Es grünt und blüht im hellen Sonnenschein.
Ich geh hinaus, genieß die frische Luft.
Ich atme tief und feste aus und ein
und lös mein Haar, gebunden durch ein Band.
Voll Tatendrang verlasse ich mein Nest.
Du schaust mir nach aus deinem einsam Nest.
Du spürst der innig Liebe warmes Licht.
Gebunden fühlen durch ein gülden Band
willst mit mir leben in der Sonne Schein.
Am Abend lädtst du mich zum Essen ein.
Erotisch knistert es schon in der Luft.
Jedoch, ich schnupp're Freiheit in der Luft,
empfinde wenig für dein Liebesnest.
Am nächsten Morgen lass ich dich allein,
verschwinde heimlich, mach noch nicht mal Licht.
Ich tret hinaus in Frühlings Sonnenschein,
noch nicht bereit fürs stetig Liebesband.
Drum prüf bevor du's Band geknüpft, ob Luft
allein der Liebe Schein. Sonst geht im Nest
das Licht gleich wieder aus. Du bist allein.