Cornelia Lösch

Kontakt© Cornelia LöschLetztes Update: November 2020

Frauen

Cornelia Lösch

Herr Schulze und Herr Maier-Krause,
sie sitzen in der Mittagspause
in der Kantine ihrer Firma.
Sie grüßen freundlich Fräulein Irma,
die weiblich stöckelnd, sehr kokett,
bewaffnet mit dem Esstablett,
an ihrem Tisch vorübergeht,
und sich dann setzt zu Fräulein Späth.
Da Freitag ist, gibt's heute Fisch.
Herr Maier-Krause sitzt am Tisch
fischt Gräten aus dem Kabeljau
und sagt: „Die Irma, tolle Frau!“
Herr Schulzes Gabel voller Reis
zieht einen wirkungsvollen Kreis
verharrt in Schulzes rechter Hand
und landet auf dem Tellerrand.
„Ach ja? Mein lieber Maier-Krause,
wie geht's denn deiner Frau zu Hause?
Was macht sie so? Ist sie wohlauf?“
Und Maier-Krause schaut jetzt auf,
erzählt von seiner langen Ehe,
und dass er Ruth ja täglich sähe.
Er neigt sein grau-meliertes Haupt,
und meint, bloß Gucken sei erlaubt.
Herr Schulze schaut jetzt leicht verträumt.
„Ich glaub, ich habe es nie versäumt,
mein Lieselottchen zu umschwärmen,
sich wohlig an ihr aufzuwärmen,
zwanzig Jahre liegt's zurück,
s'war Liebe auf den ersten Blick.
Es war im Zug nach Amsterdam,
als dieser Zugbegleiter kam.
So dürfen die sich ja jetzt nennen,
Du wirst das ganz bestimmt schon kennen.
Doch sie vermisste ihr Billet,
der Zugbegleiter war sehr nett
und sprach, er komme später wieder.
Beschämt schlug sie die Augen nieder
und ich saß da, und konnt's nicht fassen,
konnt' meinen Blick nicht von ihr lassen.
Ich half ihr suchen und zuletzt,
sah sie, dass sie sich draufgesetzt!
Wir fingen beide an zu lachen,
so kann das Leben Sprünge machen!“
Herr Schulzes Kabeljau ist kalt
auch der Salat ist welk und alt,
Und Maier-Krauses Glas ist leer.
„Bei mir war's viel dramatischer.
Ich steh so rum, will mir anzünden
die Pfeife, da kam sie von hinten
und schlug mit einem langen Stock,
- das war der allererste Schock -
mit voller Wucht auf meinen Kopf
da war mein heute karger Schopf
zwar damals noch ein bisschen voller,
doch kam es leider noch viel doller.
Blitzschnell warf dieses Frauenzimmer
mich auch noch um und dann, noch schlimmer,
stieß sie die Knie, und wirklich beide
mit Wucht in meine Eingeweide.“
Herr Schulzes Augen werden groß.
„Du lieber Gott! Warum denn bloß?“
„Das, lieber Freund, errätst du nie:
Ruth fuhr zum ersten Male Ski!“